Gesamtmelioration in der Fraktion Pigniu

Das Projekt

In der Gemeinde Pigniu existieren noch zwei Haupterwerbsbetriebe, und drei weitere aus der Nachbargemeinde Andiast bewirtschaften ebenfalls einen Teil der Nutzfläche in Pigniu.

 

Die heutige Fraktion Pigniu ist wie manch andere Bergregion den Veränderungen in wirtschaftlichen, kulturellen und auch gesellschaftlichen Belangen stark ausgesetzt. Die Anzahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten hat seit den 1970-er Jahren enorm abgenommen.

 

Moderne Transportmittel werden heute in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt, auch wenn die bestehenden Wege dafür ungenügend tragfähig und zu schmal sind. Die damit verbundenen Risiken beim Befahren der Güterwege sind untragbar geworden.

 

Das Beizugsgebiet der Gesamtmelioration Pigniu beträgt 100,1 ha und gliedert sich in 180 Parzellen, die im Besitz von 37 Grundeigentümern sind. An das Beizugsgebiet grenzen grosse Areale mit Schutzwald. Die Waldflächen innerhalb des Beizugsgebietes weisen ebenfalls eine Schutzfunktion aus. Die landwirtschaftliche Interessenz bei diesem Projekt überwiegt.

 

Die Hauptgüterstrassen fehlen mehrheitlich oder genügen den heutigen land- und forstwirtschaftlichen Ansprüchen nicht mehr. Ohne Wegerschliessung ist die Bewirtschaftung und Pflege sowohl der landwirtschaftlichen Nutzfläche als auch des Waldes nicht möglich. Und ohne weitere Bewirtschaftung und Pflege sind weder die Kulturlandschaft noch der Schutzwald langfristig zu erhalten.

 

Das Projekt sieht vor, einerseits mit einer zielgerichteten Zusammenlegung die starke Parzellierung zu reduzieren und andererseits ein entsprechendes Güterstrassennetz zu erstellen.

 

Schon aus Kostengründen werden die Wege möglichst gut in das Gelände eingepasst und Kunstbauten auf das Allernotwendigste beschränkt. Die Böschungssicherungen in steilem Gelände werden heute fast ausschliesslich mit natürlichen Materialien wie Felsblöcken und Steinkörben oder in biologischer Bauweise (Holzroste mit Hecken- und Buschlagen) ausgeführt.

 

Damit gliedern sich die Wegbauten sehr rasch in das Bild der Kulturlandschaft ein. Auf den bergseitigen Böschungen und Blockschichtungen entsteht andererseits eine vielfältige Trockenflora.

 

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass es für die Berggemeinden langfristig schwer tragbar wird, die ausgedehnten Güter- und Waldwegnetze zu unterhalten. Dem Unterhaltsproblem ist deshalb bei der Bemessung des Oberbaus und insbesondere bei der Oberflächenbefestigung besondere Beachtung zu schenken. Wege ohne Oberflächenbefestigung mit Gefällen über 7 % und unter 3 % erfordern wegen der starken Wasser-Erosion, resp. Schlaglochbildung einen sehr hohen Unterhaltsaufwand. Deshalb haben sich der ehemalige Gemeindevorstand und die Meliorationskommission entschieden dafür eingesetzt, dass mit einem guten Ausbaustandard der Wege ein möglichst geringer Unterhaltsaufwand erreicht wird.

 

Gestützt auf die Bundesverfassung und auf das Landwirtschaftsgesetz stehen auch bei dieser Gesamtmelioration folgende drei Hauptziele im Mittelpunkt:

 

Erhaltung und Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft

  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Senkung der Betriebskosten
  • Grundlagen schaffen für eine flexible Betriebsstruktur
  • Zeitgemässe Zufahrten zu den Bewirtschaftungsflächen

Erhaltung, Pflege und Aufwertung der Kulturlandschaft

  • Förderung der Artenvielfalt
  • Sicherstellung der angepassten Nutzung und Pflege der Kulturlandschaft

Umsetzung der öffentlichen Interessen

  • Sicherstellung des Grundeigentums
  • Sicherung der Fassungsbereiche aller für die öffentliche Trinkwasserversorgung genutzten Quellen
  • Sicherstellung des Raumbedarfes für Fliessgewässer

Der Kredit wurde am 29. November 2013 anlässlich der Gemeindeversammlung genehmigt.

 

Mit den Arbeiten wurde im September 2014 begonnen, und es konnten bereits zwei Bauetappen abgeschlossen werden. Die 3. Bauetappe ist noch im Gange und die Ausführung der 4. Bauetappe soll zwischen Frühjahr und Herbst 2016 erfolgen. Mit dem Abschluss des gesamten Projektes rechnet man 2018.

 

Kosten und Finanzierung

Gemäss Zusammenstellung sehen die Kosten wie folgt aus:
Güterstrassen Fr. 2'681'000.--
Anpassungen Fuss- und Wanderwegnetz Fr. 5'000.--
Natur- und landschaftspflegerische Begleitmassnahmen Fr. 35'000.--
Geologische Untersuchungen Fr. 5'000.--
Planerische und vermessungstechnische Arbeiten Fr. 297'000.--
Zweitvermessung Fr. 46'320.--
Unvorhergesehenes Fr. 274'000.--
MwSt. 8 % und Rundung Fr. 276'680.--
Gesamtkosten Fr. 3'620'000.--
Die Finanzierung ist folgendermassen vorgesehen:
Gesamtkosten Fr. 3'620'000.--
./. Bundessubvention 47 % von Fr. 3'562'000.-- Fr. 1'674'140.--
./. Kantonssubvention 38 % von Fr. 3'562'000.-- Fr. 1'353'560.--
./. Förderbeitrag Finanzausgleich Fr. 177'000.--
./. Grundeigentümerbeiträge Fr. 100'000.--
Noch zu finanzierende Restkosten Fr. 315'300.--

Das Projekt entspricht einem dringenden Bedürfnis. Entgegen früheren Meliorationen, bei denen Ertragssteigerung und Rationalisierung die Hauptanliegen darstellten, sind die neuen Meliorationen viel integraler zu fassen. Neben den Interessen der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und der Raumplanung ist auch den Belangen des Natur- und Landschaftsschutzes gebührend Rechnung zu tragen.

 

Während die forstliche Grunderschliessung schon seit Jahrzehnten ein Anliegen ist, stellt die ungenügende Erschliessung für die Landwirtschaft mit den immer grösser werdenden Maschinen ein Problem dar. Vor allem die Bewirtschaftung der peripheren Gebiete ist nicht gesichert, wenn die Zufahrtswege nicht ausgebaut werden. Für die Gemeinwesen stellen die heutigen, zu schwach fundierten und zum Teil zu steilen Wege in Sachen Unterhalt Probleme dar.

 

Die Landumlegung und die Servitutenbereinigung dienen den Bewirtschaftern und den Grundeigentümern. Die Bewirtschaftung wird erleichtert, die Pachtverhältnisse vereinfacht und die Anzahl an notwendigen Servituten stark reduziert. Damit wird auch die Einführung des eidgenössischen Grundbuches ermöglicht.

 

Durch die Erneuerung und den Ausbau des Wegnetzes wie auch der Arrondierung des Eigen- und Pachtlandes ist die Bewirtschaftung und Pflege der landwirtschaftlichen Nutzfläche auch zukünftig möglich. Zudem stehen die Güterstrassen als Zufahrtswege zur Bewirtschaftung des Schutzwaldes zur Verfügung.

 

Aus den erwähnten Gründen möchten wir Ihnen die Unterstützung dieses Projektes sehr empfehlen.

 

Für dieses Projekt konnten wir bisher Spenden von Fr. 211'558.-- vermitteln.