Begegnungen zwischen Berg und Tal und eine Patenschaft einmal anders

 

Eine gute Idee: Mit einer Tierpatenschaft übernimmt man während eines Jahres die Kosten für die Versorgung und die Pflege eines Patentieres. Die Getika-Stiftung (www.getika.ch) ermöglicht jedes Jahr einer Schulklasse den Zoobesuch und spendet ihr eine solche Patenschaft; Zoodirektor Dr. Alex Rübel fragte die Patenschaft für eine geeignete Gruppe an, und diese vermittelte eine Schulklasse aus dem Unterengadin.

 

Treffpunkt Zoo Zürich. Die 5. und 6. Primarschulklasse von Sent trifft mit ihrem Lehrer Andri Gritti auf Karl Sprecher. Dieser nimmt die jungen Besucher auf eine Führung mit. Nach einem Erinnerungsfoto geht es los, der erste Zwischenhalt ist bereits in den Tropen bei den Krokodilen und Riesenschlangen. Karl Sprecher vermittelt viel Wissenswertes und Erstaunliches über die Eigenarten der exotischen Tiere und über die Arbeit der Tierpfleger. Wer hat zum Beispiel schon gewusst, dass es sieben Personen brauchte, um die über sechs Meter lange Netzpython aus dem Gehege zu holen, als ihr der Tierarzt einen Gegenstand aus dem Maul operieren musste? Oder dass der Tierarzt mit dem Blasrohr eine Narkosespritze abschiesst, wenn er einen Affen für die Behandlung vom Baum holen muss?

 

Besuch beim Patenkind

Unterdessen ist die Gruppe beim Patenkind angekommen: ein Springtamarin, ein schwarzer Krallenaffe aus dem tropischen Regenwald, der zwar ausgewachsen nur etwa 700 Gramm wiegt, aber über mehrere Meter von Ast zu Ast springen kann. Weit oben hockt er auf dem Baum und lässt sich von seinen neuen Gotten und Göttis nicht aus der Ruhe bringen. Weiter geht es an den Menschenaffen vorbei zu den Schneeleoparden. Deren sportliche Leistung ist imposant. Sie können aus dem Stand sechs Meter hoch und fünfzehn Meter weit springen. Der Bengalische Tiger dann macht einen hungrigen Eindruck – kein Wunder, verspeist er doch jeden Tag gegen zwanzig Kilo frisches Fleisch.

 

Der kleine Affe heisst jetzt Juspign

Nach der Führung gibt es eine Stärkung . Die Kinder geben ihrem Patenkind auch einen Namen: Aus den Vorschlägen Rampign (Kletterer), Nairign (schwarz), Sfarfatign (Lausbub) und Juspign (ein Fantasiename) macht letzterer das Rennen in der Abstimmung. Dann reisen die Kinder weiter, via Zürcher Niederdorf geht es dann heimzu ins Unterengadin. Im Gepäck die Urkunde, welche die Patenschaft bestätigt und: Während des ganzen Jahres wird die 5./6. Klasse Sent auf einem Bildschirm im Zoo und auf www.zoo.ch/patentafel mit dem kleinen Springtamarin erwähnt. Der Anfang einer schönen Freundschaft...

 

 

Das meinen die Kinder:

Herr Sprecher hat uns viel Neues erklärt und ab und zu auch einen Witz gemacht.

 

Es ist sicher teuer, wenn man alles Fleisch für die Tiger beim Metzger kaufen muss.

 

Den Tieren im Zoo geht es heute sicher viel besser als früher, aber immer noch nicht so gut wie in der Natur.

 

Am liebsten würde ich hier als Tierarzt arbeiten – aber noch lieber werde ich Bauer.

 

Fragen an Zoodirektor Dr. Alex Rübel, Zürich

 

Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten zwischen Ihrem Einsatz für den Zoo und dem Einsatz der Schweizer Patenschaft für das Berggebiet?

Wir setzen uns im Zoo Zürich für die Erhaltung bedrohter Tierarten und Lebensräume ein, wollen dazu beitragen, einen Teil ursprünglicher Natur zu erhalten. Auch viele Lebensräume in den Berggebieten brauchen unsere Unterstützung, für Mensch und Natur.

 

Welche Beziehung pflegen Sie zum Berggebiet?

Einen grossen Teil meiner Jugend verbrachte ich im Landdienst, oft auch auf der Alp. Das Berggebiet ist mir ans Herz gewachsen und so versuche ich in meinen heutigen Funktionen, mich dort einzusetzen.

 

Wie beobachten und beurteilen Sie die Tätigkeit der Patenschaft?

Ich schätze, dass die von der Patenschaft unterstützten Projekte sehr gut abgeklärt sind und helfen, nicht nur Notsituationen zu lindern, sondern langfristig unser Berggebiet mit seinen Schönheiten, aber auch mit den entsprechenden Arbeitsplätzen zu erhalten.

 

Wie kamen Sie darauf, die Patenschaft für die Vermittlung einer Schulklasse für einen Zoobesuch anzufragen?

Die Getika-Stiftung ermöglicht jedes Jahr einer Schulklasse ausserhalb des Kantons Zürich, den Zoo Zürich zu besuchen. Für viele Kinder aus den Bergen ist dies eine einmalige Gelegenheit, mit vielen, auch exotischen Tieren, Bekanntschaft zu machen und Freude an der Tierwelt zu gewinnen.